AUSZUG

aus der Dokumentation der Fachwerkstatt für Restaurierung Renate Kant


Objekt

Bemalte Holzbalkendecke im 1. Obergeschoss ein zweigeschossigem traufenständigen Gebäude mit seitlicher Durchfahrt im Erdgeschoss. Jetzt Wohnhaus. Bau datiert ca. 1540-1560. Ehemals Witzendorffscher/Töbingscher Besitz mit aufwändiger Ausstattung (u.a. Türbekrönung Diele, jetzt Rathausdiele Rathaus Lüneburg; Sandsteinkamin vermutlich aus dem Obergeschoss des 1. Flügelbaues jetzt Kunstgewerbemuseum Hamburg...)

Veranlassung

Es war zu erwarten, dass in dem ehemals reich ausgestatteten Gebäude bei weiteren Umbauten und Restaurierungsmaßnahmen erneute Befunde der Entstehungszeit zutage treten könnten. Im September 1988 wurde durch bauliche Maßnahmen (Abnehmen des Unterzuges und der Lehmstaken) eine bemalte Holzbalkendecke sichtbar.




Standort

1. Obergeschoss, rückwärtiger Raum, hinter Treppenanlage, vormals als Badezimmer genutzt, ehemals wohl Speicherhalle oder "Danzhus". Die Decke ist geteilt durch eine später eingezogene Fachwerkwand und geht in das rückwärtig angrenzende Haus Grapengießerstraße 45 über.

Zustandsbeschreibung

Figürliche Darstellung aus dem Bereich der biblischen Thematik, feinzeichnerisch und detailliert, künstlerisch bedeutsam.




Maße der bemalten Fläche

3,50 m x 4,80 m Grundfläche Bretterlage ./. 2 m² eingesetzte undekorierte Ergänzungen + 6,75 m² bemalte Balkenansichten - gesamt 21,55 m² mit Fassungsbefunden

Konstruktion

3-Felder-Bretterlage nord-südlicher Richtung, 4,0 cm stark, Brettbreiten von 30,0, 32,0 zu 43,0 cm variierend mit eingeschobener Feder. Aufliegend auf 4 Balkenlagen 22,0 cm Höhe x 26,0 cm Breite west-östliche Führung. Balken mit seitlichen Fasen der Untersichten, ganzseitig gefasst.

Darstellung

Pro Gefach über mehrere Bretter laufend 3 große Kartuschen mit figürlichen Darstellungen neutestamentarischer Thematik mit Bezeichnung der Bildszene und Zitatangabe aus Bibelquelle, eingerahmt von kräftigem Balkendekor mit Diamantprismengleiderung. Auf den Untersichten und Seitenansichten der Balken zierliches ornamentales Dekor: Beschlagwerk, Punktornamente, Festons, Kartuschen.




Beschreibung der sechs Darstellungen


Gefach 1/1: "Verklarung Christi mär.9" fragmentarisch ca. 40 % erhalten, schwer lesbar


Gefach 1/2: "Sendung des hl. Geistes. Acta 2" ca. 60 % erhalten, Gesichter besonders gut lesbar


Gefach 2/1: "Beroftung der Kindelein. marc. 10" ca. 60 % erhalten, Gesichter gut lesbar


Gefach 2/2: "Auffahrt Christi gen Himmel. Acta 1" durch neue, nicht bemalte Bretter ersetzt


Gefach 3/1: "Uns blindt geboren. Joh. 9" ca. 40 % erhalten, schwer lesbar


Gefach 3/2: "Erscheinung Christi zu eman.ibi" durch neue, nicht bemalte Bretter ersetzt




Ziel der Restaurierung

Ziel der Restaurierung war es, das künstlerisch und zeitgeschichtlich bedeutende Dokument als Fragment zu erhalten und mit äußerster Zurückhaltung die reduzierte sensible Stofflichkeit in der Retuschemaßnahme zu berücksichtigen. Additiv sollte diese nur die bessere Lesbarkeit ermöglichen.